Über die Rückkehr aus dem Entwicklungsdienst und berufliche (Neu-)Orientierung

Im Interview mit uns: Die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V. (AGdD).

Die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V. (AGdD) ist der Dachverband der sieben staatlich anerkannten Träger des Entwicklungsdienstes in Deutschland. Die Mitglieder der AGdD vermitteln oder entsenden Fachkräfte in Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und des Zivilen Friedensdienstes auf der Grundlage des Entwicklungshelfer-Gesetzes. Das Förderungswerk der AGdD bietet ihnen konkrete Angebote zur beruflichen (Neu-)Orientierung.

Obwohl Fachkräfte während ihres Einsatzes wichtige berufliche Kompetenzen erwerben, ist der Wiedereinstieg in den heimischen Arbeitsmarkt oft herausfordernd. Welche Unterstützung leistet dabei das AGdD-Förderungswerk?

In unseren Seminaren und Veranstaltungen für Rückkehrer*innen und ihre Partner*innen geben wir Raum für fachlichen und persönlichen Austausch. Gleichzeitig vermitteln wir aktuelle Informationen über Bewerbungsverfahren oder interessante Arbeitsfelder, die sich oft während der Abwesenheit der Fachkräfte dynamisch weiterentwickelt haben. Auch in unserer Zeitschrift transfer und auf unserer Homepage (www.agdd.de) bündeln wir diese Informationen und teilen die Erfahrungen von Fachkräften rund um das Thema Rückkehr auf. Bei allem setzen wir bei den besonderen Erfahrungen aus dem Entwicklungsdienst an und arbeiten gemeinsam an deren Verwertung und beruflichen Perspektiven.

Auf was achten Sie in der Gestaltung des Seminarangebotes?

Charakteristisch für unsere Seminare ist der „peer-to-peer“-Dialog, da das Angebot exklusiv für Fachkräfte aus dem Entwicklungsdienst ist. Der Großteil der Referent*innen hat selbst Entwicklungsdienst oder Zivilen Friedensdienst geleistet. Der Austausch über diese besondere Erfahrung und die weitere persönliche und berufliche Orientierung entfaltet ein hohes Potenzial an Kreativität und geteiltem Verständnis für die jeweils individuellen Fragestellungen. Dabei werden die Teilnehmenden von Fachleuten wie Personalmanager*innen, Netzwerkspezialist*innen oder Expert*innen des internationalen Arbeitsmarkts unterstützt und erhalten viele Tipps sowie branchenspezifische Informationen zu einzelnen Berufsfeldern.

In welchen Bereichen bzw. welchen Organisationen arbeiten Rückkehrer*innen, wenn sie wieder in Deutschland sind?

Viele Fachkräfte arbeiten nach ihrer Rückkehr im weiteren Feld der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Hier können sie mit ihrer Auslandserfahrung und entwicklungspolitischen Kenntnissen punkten. Darüber hinaus kann man von typischen Arbeitsbereichen nicht sprechen, da die Fachkräfte aus sehr unterschiedlichen Berufsfeldern kommen und entsprechend danach auch wieder einsteigen. Für viele ist aber der internationale Bezug ihrer Arbeit wichtig. Das geht auch z.B. in der Flüchtlingsarbeit, in der globalen Umweltpolitik oder bei internationalen Organisationen. Aber natürlich trifft das nicht auf alle zu.

Gehen viele Rückkehrer*innen später wieder ins Ausland? Oder sind sie mit ihren beruflichen Perspektiven in Deutschland zufrieden?

Das ist sehr individuell und hängt von vielen, oft persönlichen Gegebenheiten ab. Es gibt sowohl Rückkehrer*innen, die nach einem Einsatz immer wieder mit unterschiedlichen Vertragsformen, z. B. als Kurzzeit-Expert*innen ins Ausland gehen, oder vielleicht auch nach einigen Jahren wieder als Fachkraft im Entwicklungsdienst. Aktuell ist der Arbeitsmarkt in Deutschland sehr gut, so dass viele einen für sie passenden Job finden.

Mit Blick auf die Fachkräfte früher und heute: Gibt es da Veränderungen?

Bis heute sind mehr als 30.000 Fachkräfte auf der Grundlage des Entwicklungshelfer-Gesetzes (EhfG), das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, entsandt worden. Ihre Funktion liegt heute vor allem in der Beratung und in ihrer Wirkung als „Change Agent“. Denn der Bedarf in den Einsatzländern hat sich gewandelt, auch vor dem Hintergrund grundlegender Veränderungen in den Ländern des globalen Südens der letzten 20 Jahren. Die Bedeutung des Entwicklungsdienstes liegt heute vor allem darin, „dass Entwicklungshelfer*innen über Wissen und Erfahrungen aus ähnlichen Arbeitskontexten in Ländern des globalen Südens verfügen, die sie mit einem kritischen Blick von außen und einer in vielen Situationen willkommenen Neutralität und Unvoreingenommenheit einbringen können“, wie die umfassende Studie des Evaluierungsinstituts der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (DEval) von 2015 mit dem Titel „Entwicklungshelfer und Entwicklungshelferinnen – ein Personalinstrument der deutschen Entwicklungszusammenarbeit“ bestätigt.

Weitere Informationen: www.agdd.de